Gewalt in Beziehungen12.06.23

Wenn in Beziehungen Gewalt stattfindet

Oft schleicht sie sich ganz langsam ein, die Gewalt in einer Beziehung. Es muss nicht immer körperliche Gewalt sein. Auch verbale, psychische und emotionale Gewalt ist genauso erschütternd und kann traumatisieren. Anfangs will man es oft auch nicht wahrhaben, bagatellisiert oder sucht nach Entschuldigungen. Aber Gewalt, egal welcher Art hat in einer Beziehung nichts zu suchen. Doch, wie geht man damit um?

Der harmonische Anfang einer Beziehung

Wir alle wissen es, dass am Anfang einer Beziehung meistens erstmal alles gut und schön ist. Man ist verliebt und hat damit die wohlbekannte rosarote Brille an. Man findet eigentlich alles gut am Partner/der Partnerin. Und auch wenn da vielleicht das eine oder andere auftaucht, was einem weniger gefällt, ignoriert man es oder redet es sich schön. Dadurch, dass jeder auch sein eigenes Leben hat, ist man weniger mit Alltagssituationen konfrontiert, sondern verbringt vor allem die Freizeit und die schönen Momente zusammen. Man plant vielleicht auch schon bald das eine oder andere. Sei es ein gemeinsamer Urlaub, oder gar das zusammenziehen.

Wo fängt das gewalttägige Verhalten an

Wie bereits erwähnt, kann dies langsam geschehen. Oder auch dann, wenn die rosarote Brille die ersten Sprünge bekommt. Auch, wenn mehr (Alltags)-Zeit zusammen verbracht wird. Was man zu Beginn vielleicht noch toll fand, oder mit Temperament und/oder Eifersucht erklärte, bekommt plötzlich einen schalen Nachgeschmack. Ein etwas groberes Anpacken, gerade auch beim Sex, wird z.B. oft geschildert. Oft aber sind es auch verbale Entgleisungen, wie Beleidigungen oder Drohungen. In der ersten Phase entschuldigt sich der/die gewalttätige Partner/in meistens auch reumütig. Als Betroffene/r sind wir natürlich auch gerne bereit dies als einmaligen Ausrutscher zu verzeihen. Doch sollte bereits beim ersten Mal, wenn Gewalt – egal welcher Form – in einer Beziehung stattfindet – aufgehorcht werden.

Welche Rolle spielt die Angst

Angst spielt eine sehr grosse Rolle in Beziehungen, in denen Gewalt vorkommt. Dabei ist es natürlich die Angst davor, dass der Partner/die Partnerin wieder gewalttätig werden könnte. Egal ob physisch oder verbal. Und auf der anderen Seite ist es aber auch die Angst, den Partner/die Partnerin zu verlieren. Worauf beides hinausführt ist, dass man sich kleinmacht, anpasst, sich nicht mehr wehrt, kein Kontra mehr gibt. Viele Menschen berichten davon, dass sie möglichst all jenes vermeiden, was den Partner/die Partnerin wütend machen könnte. Man beginnt sich so zu verhalten, wie man denkt, es gefalle und genüge. Damit entfernt man sich aber leider zunehmends von sich selbst und gerät oft in einen Strudel, der kaum mehr aufzuhalten ist. Wenn keine Grenzen mehr gesetzt werden, gerät das Gleichgewicht immer mehr ins Wanken.

Hintergründe gewalttätigen Verhaltens in Beziehungen

Weshalb ein Partner/eine Partnerin in der Beziehung gewalttätig ist bzw. wird, kann vielfältige Hintergründe haben. Natürlich kann es sein, dass er/sie selbst Gewalt als Kind/Jungendliche/r erfahren hat. Genauso aber kann das Gegenteil der Fall sein, nämlich dass zu wenig Grenzen gesetzt wurden. Was als Kind für die Entwicklung wichtig ist, konnte nicht stattfinden. Und kann sich deshalb im Erwachsenenalter nochmals manifestieren, indem Grenzen in der Partnerschaft gesucht oder provoziert werden.

Auch Unzufriedenheit mit sich selbst, dem Job oder familiären und sozialen Umfeld kann in Frust und weitergehend zu gewalttätigem Verhalten führen.

Aber auch psychische Disbalancen oder gar Krankheiten spielen oftmals eine Rolle. So sind es häufig narzistische Charakter, die sich besitzergreifend und despotisch verhalten. Ebenso wie Zwangsstörungen oder andere disoziative Erkrankungen. Auch kulturelle und religiöse Hintergründe können zu Gewalt führen. Wenn sich der Partner/die Partnerin nicht so verhält, wie es vermeintlich vorgeschrieben ist.

Umgang mit gewalttätigem Verhalten

Je länger sich gewalttätiges Verhalten in einer Beziehung „etabliert“ hat, desto schwieriger wird der Umgang damit. Was Anfangs noch mit einem oder ab und zu einem Ausrutscher entschuldigt wurde, kann je länger je mehr nicht mehr verborgen werden. Wenn die Schranken beim ersten Mal nicht gesetzt wurden, wird es immer schwerer dem entgegenzusetzen. Deshalb empfiehlt es sich, Hilfe von aussen zu holen. Dabei ist ein neutraler Gesprächspartner definitiv besser. Denn im sozialen wie familiären Umfeld wird meist Partei ergriffen und die Meinungen sind zu wenig objektiv. Das heisst eine Fachperson oder eine Anlaufstelle für genau solche Situationen wären ideal.

Auch eine räumliche Trennung – zumindest für eine gewisse Zeit – kann etwas entschärfen. Und gibt gleichzeitig die Möglichkeit für beide Partner, über das geschehene zu reflektieren.

Mut zum Handeln

Grundsätzlich muss man anerkennen, dass es auch viel Mut braucht zu Handeln, um sich einerseits Hilfe zu holen und andererseits auch aus einer solch gewalttätigen Beziehung herauszukommen. Manchmal gibt es einen bestimmten Auslöser, der das Fass zum überlaufen bringt und endlich Bewegung in die verfahrene Lebenssituation kommt. Welche Wege dann diese Bewegung nimmt, sollte man offen lassen. Ob es für das Paar einen gemeinsamen Weg noch geben kann, oder ob es zur definitiven Trennung/Scheidung oder gar weiterführenden Massnahmen kommt.

Auch für aussenstehende, welche Gewalt in Beziehungen mitbekommen, gehört Mut dazu, das Gesehene zum Wohle des/der Betroffenen nicht einfach zu ignorieren. So kann ein Nachbar/eine Nachbarin auch mal direkt darauf ansprechen oder zumindest Hilfe anbieten. Je nach Situation kann auch die Polizei informiert werden. Wenn auch Kinder involviert sind, sollte auf jeden Fall auch die Kesb um Hilfe angefragt werden.

Es gibt auch anonyme Beratungsstellen, wie z.B. „Die Dargebotene Hand“, bei denen man 24Std. anrufen kann. Darüber zu sprechen ist bereits der erste Schritt in die richtige Richtung.

Alles Gute und Haltet Euch Sorge

Herzlichst Roberta

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