Als Frau verletzlich sein
Die meisten Frauen haben es erlebt. Sexuelle Belästigung, Uebergriffe und im schlimmsten Fall sexuellen Missbrauch. Wenn man sich im eigenen Umfeld umhört, dann weiss eigentlich jede Frau etwas dazu zu erzählen. Wir sind in der heutigen Zeit – zumindest in der westlichen Welt – bezüglich Aufklärung und Ahndung sicher einen grossen Schritt weiter. Doch trotzdem finden solche Taten nach wie vor statt, die für eine Frau beschämend, beängstigend, schmerzhaft und oft auch traumatisierend sind. Es geschieht im alltäglichen Leben, aber häufig auch im engeren Kreis. Dazu können Arbeitskollegen, Bekannte und nicht zuletzt auch die eigenen Partner gehören.
Frau werden/sein genügt?
Bereits an der Schwelle zum Frau werden, beginnen die ersten Erfahrungen für viele Mädchen und junge Frauen. Der Körper verändert sich, erste weibliche Rundungen zeigen sich, die erste Periode stellt sich ein. Damit werden junge Frauen schon ganz anders wahrgenommen in der Gesellschaft. Sie sind ja nun kein Kind mehr und damit ein potentielles Sexualobjekt. Schon gewisse Blicke, anzügliche Bemerkungen oder versucht beiläufige Berührungen können verstörend und verängstigend sein. Gerade in der Phase der Frauwerdung, also der Pubertät, sind junge Mädchen ja schon selbst häufig verunsichert durch ihren sich so verändernden Körper. Sie sind noch nicht in sich gefestigt und das entsprechende Selbstbewusstsein ist noch nicht ausgereift. Damit bieten sie unweigerlich auch eine grössere „Angriffsfläche“ für solche Uebergriffe. Aber auch nach der Pubertät bleiben solche Erlebnisse. So kann ein leichtes Sommerkleid, eine durchsichtige Bluse, ein grösserer Ausschnitt oder kurze Hosen bereits als Einladung empfunden werden. Genügt es also einfach eine Frau zu sein, um solche Uebergriffe zu provozieren?
Welche Rolle spielen Herkunft und Religion?
Wir leben heute in einer multikulturellen Gesellschaft. Dazu gehören nicht nur die verschiedensten Herkunftsländer, sozialen Schichten, sondern auch verschiedene Religionen. Dementsprechend werden Kinder in ihren Herkunftsfamilien oft von den familiären, sozialen und religiösen Regeln geprägt. Dies wiederum hat einen Einfluss darauf, welches Weltbild vorhanden ist. Welche Rolle spielen in diesem Bild Männer und Frauen? Wie ist die Beziehung zueinander und welche Bedeutung hat die Stellung der Frau und die Sexualität in der jeweiligen Kultur. Natürlich ist auch die Erziehung ein wesentlicher Teil der Entwicklung und der Sicht auf die Gesellschaft. Aber mit der Zeit spielen auch immer mehr äussere Faktoren eine Rolle. In welchem Umfeld bewegt man sich. Welche Freunde hat man. Und ebenso wesentlich, die eigene persönliche Entwicklung und Reifung.
Die sexualisierte Gesellschaft
Wie stark sich Sexualität und die Sicht darauf auch verändert hat, hat auf jeden Fall auch mit den Medien und der allgemeinen Digitalisierung zu tun. Das Internet, Social Media und die Werbung machen sich nicht nur sexuell relevante Begriffe zunutzen, sondern auch entsprechende Bilder. So wird kunterbunt nicht nur für Kosmetika, Lebensmittel, Kleidung etc. mit spärlich bekleideten Models, in zum Teil provokativen Posen geworben. Sondern es wird damit auch vermittelt dass sexy nicht nur cool und in ist, sondern ganz normal.
Welche Rolle spielt Pornografie?
Nicht zu vergessen ist auch die Rolle der Pornographie. Auch hier hat sich die Möglichkeit Pornografie zu konsumieren vollkommen verändert. Früher gab es sogenannte „Sexheftchen“. Heute kann jeder, also auch Kinder, gratis Pornos im Internet anschauen. Wer sich darüber bereits ein Bild gemacht hat, wie vor allem Frauen in Pornos dargestellt werden, versteht vielleicht auch ein bisschen besser, was damit transportiert wird. In den meisten Fällen werden Frauen als ständig „geile“ Sexobjekte dargestellt, die praktisch alles mit sich machen lassen und natürlich auch noch Spass daran haben. Männer hingegen sind die allzeit bereiten Super-Hengste, die nimmermüde sind und am besten auch noch gleich mehrere Frauen gleichzeitig und über Stunden befriedigen können. Das Bild, welches also hier von Sexualität dargestellt wird, hat aber mit der Realität absolut nichts zu tun. Das können Frauen besser abstrahieren. Männer sehen das, wenn man mit ihnen darüber spricht, eher anders.
Darüber sprechen und handeln
Vielen Frauen fällt es schwer, über sexuelle Uebergriffe und Belästigungen zu sprechen. Dazu gehören nicht nur vorwiegend junge Frauen. Es ist immer mit Scham behaftet. Man fühlt sich irgendwie schmutzig, benutzt, gedemütigt und ausgeliefert. Ebenso kommt es vor, dass Frauen sich die Schuld, oder zumindest eine Mitschuld geben, für das, was passiert ist. Gerade wenn die Uebergriffe im nahen Umfeld stattfinden, ist es auch umso schwieriger, sich jemandem anzuvertrauen. Frauen haben Angst, durch ihr Sprechen Probleme in der Familie, Partnerschaft oder ihrem Arbeitsplatz zu kreieren. Oder auch, dass man ihnen vielleicht gar nicht glaubt!
Die Seele entlasten
Doch über das Geschehene zu sprechen ist ungemein wichtig. Mit einer vertrauten Person, einer Freundin oder einer Fachfrau. Auch Handeln kann dann eine folgende Konsequenz sein. Möchte ich das, was mir passiert ist, zur Anzeige bringen. Auch wenn es vielleicht schon länger zurückliegt. Denn oftmals sind solche Erinnerungen verschüttet, bzw. in unser Unterbewusstsein verbannt, um uns vor dem Schmerz zu schützen. Wenn Du Dich für eine Anzeige entscheidest, nimm auf jeden Fall eine Begleitperson mit, die Dich stärkt und für Dich da ist. Es gibt auch Fachstellen, die Dich nicht nur beraten, sondern auch mit Dir mögliche rechtliche Schritte besprechen können und Dich dabei auch begleiten.
Der persönliche Umgang und die Konsequenz
Welchen Weg auch immer Du gehst, oder wofür Du Dich entscheidest, wichtig ist es, nicht nur gut, verständnis- und respektvoll begleitet zu werden. Auch Dein eigener persönlicher Umgang mit dem Geschehenen trägt viel zur Ver- und Bearbeitung eines Missbrauches bei. Wenn Du Dir therapeutische Hilfe suchst, wirst Du dort auch dabei unterstützt werden, Dein Vertrauen, Dein Selbstwertgefühl und Deine Stärke wiederzufinden. Auch in Deinem Alltag kannst Du Wege finden, wie Du mit dem erlebten auch in Zukunft umgehen kannst und was dabei hilft.
Verarbeiten braucht Zeit
Die Konsequenzen eines Missbrauches können ebenfalls sehr vielfältig sein. Je nachdem, welchen Lebensbereich es dabei trifft. Es kann sein, dass Du Dich entscheidest, einen radikalen Schnitt zu machen. Dies kann einen Arbeitsplatzwechsel, eine Trennung, einen Wohnortswechsel oder anderes zur Folge haben. Räumliche Distanz kann beim Verarbeiten helfen. Ebenso das kanalisieren der Emotionen, die dieses Erlebnis in Dir ausgelöst hat. Kanalisieren kann idealerweise ins Transformieren umgelenkt werden. Das heisst, dass aus Deiner Scham und dem Gefühl von Machtlosigkeit z.B. Wut entsteht, oder aus Deiner Angst Stärke und Mut. Ob ein solcher Prozess über den Körper, Gespräche oder kreatives arbeiten unterstützt wird, ist individuell. Du wirst dabei herausfinden, welches Deine Sprache ist, um Deinem Urvertrauen wieder näher zu kommen und es irgendwann wieder von Herzen umarmen zu können.
Brauchst Du Unterstützung bei der Verarbeitung eines solchen Erlebnisses? Ich begleite Dich dabei.
Dabei wünsche ich Dir ganz viel Kraft und Mut!
Herzlichst
Roberta
Kontakt Angebot