Der Spagat der modernen Frau06.11.21

Anforderungen an die heutige Frau

Gerade von älteren Menschen hört man ihn oft, diesen Satz: „Früher war alles besser!“ Das hat natürlich mit dem eigenen Empfinden und Erleben zu tun. Je älter man wird, das können viele sicher bestätigen, neigt man dazu die Vergangenheit zu idealisieren. Man blendet jenes, was nicht gut oder unschön war aus und erinnert sich gerne vor allem an die schönen Momente. Oder man schwächt die unguten Erinnerungen ab, indem man sie in der Kategorie: „Ach, das war ja gar nicht so schlimm“, abspeichert. In Bezug auf das weibliche Rollenbild, die Entwicklung der heutigen Frau und allgemein auf das Frauenleben gibt es einiges, was sich verändert hat. Und davon nicht alles nur zum Guten.

Die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft

Es ist viel passiert, was die Rolle der Frau in der heutigen Zeit anbelangt. Gerade in den letzten Jahren.

Die Empanzipation von Frauen begann Mitte des 19. Jahrhunderts, indem für die bürgerlichen und politischen Rechte der Frau gekämpft wurde. In Deutschland wurde das Frauenstimmrecht 1918 eingeführt. In der Schweiz hingegen erst 1971! Das bedeutete zwar im Hinblick auf das politische Mitbestimmungsrecht einen Fortschritt, doch innerhalb der Familie und der Gesellschaft waren Frauen immer noch stark in ihrem Rollenbild verankert.

Da hat sich heute natürlich einiges verändert. Frauen haben heute grösstenteils die gleichen Rechte wie Männer. Auch auf der beruflichen Ebene stehen Frauen inzwischen fast alle Türen offen. Dennoch gibt es gerade hier noch offensichtliche Unterschiede. So verdienen Frauen oft weniger, auch wenn sie die gleiche Arbeit wie Männer verrichten. Gewisse Positionen werden tendenziell immer noch von Männern bekleidet. Männer werden öfters karrieretechnisch gefördert. Was dahintersteckt ist offensichtlich: Eine Frau im gebärfähigen Alter ist immer sozusagen ein „Risiko“. Nicht nur, dass sie schwanger werden könnte und damit weniger leistungsfähig und ausfällt, sondern auch in finanzieller Hinsicht. Frauen „kosten“ einen Betrieb in der Regel mehr, als Männer

Wo stehen Frauen heute in der Partnerschaft?

Auch partnerschaftlich hat es viele Veränderungen gegeben. Wo die Frau früher vor allem für Haus und Hof zuständig war, ist sie heutzutage oftmals berufstätig. Was auch eine positive Entwicklung ist. Doch bleiben Haus und Hof trotzdem meistens in ihrem Zuständigkeitsbereich. Das heisst, es ist immer noch so, dass vor allem die Frauen für den Haushalt und alles was dazu gehört verantwortlich sind. Sicher ist es auch so, dass viele Männer ihren Beitrag dazu leisten und sich diesbezüglich einbringen. Doch liegt die Hauptverantwortung für das Funktionieren des Haushaltes und der Familie immer noch bei den Frauen. Tendenziell wird das auch von ihnen erwartet. Diese Doppelbelastung führt oft auch dazu, dass Frauen einen täglichen Spagat vollführen müssen. Nicht nur sollen sie im Beruf volle Leistung erbringen, auch der Haushalt sollte möglichst perfekt sein. Kein Wunder, dass das partnerschaftliche Leben dabei zu kurz kommt. Natürlich ist es wichtig als Paar auch und gerade darüber zu kommunizieren. Doch bleibt oftmals dafür zu wenig Raum, Zeit und Energie. Was schlussendlich dazu führt, dass es zu einer Entfernung und Entfremdung des Paares kommt. Man funktioniert im Alltag, doch die Liebesbeziehung liegt brach.

Die neue Mutter

Ganz neu wurde eine neue Bewegung lanciert unter dem Label: „Momtoo“. Hier machen Frauen darauf aufmerksam, wie schwierig es ist, sich in der Berufswelt zu etablieren und trotzdem eine gute Mutter zu sein. Ebenso, wie möglichst wenig über Kinder und die damit einhergehenden organisatorischen Probleme, gesprochen wird. Dies aus Angst benachteiligt zu werden.

Wo Frauen früher tendenziell eher zuhause mit den Kindern waren und sich voll und ganz dem Nachwuchs widmen konnten, müssen Frauen auch hier einen Spagat vollbringen. Eine tolle, aktive und sich für das Kind aufopfernde Mutter zu sein und gleichzeitig eine erfolgreiche Businessfrau. Das ist einer der Gründe, weshalb berufstätige Mütter schneller mal in ein Burnout abrutschen oder auch in Depressionen. Dabei stellen viele Frauen sehr hohe Ansprüche an sich selbst, messen sich dabei auch an anderen und haben oftmals das Gefühl ihren Aufgaben ständig hinterherzuhinken und nichts und niemandem wirklich gerecht zu werden. Am allerwenigsten sich selbst! Wie stark sich auch die Rolle der Mutter in der Familie und der Gesellschaft verändert hat, aber auch wie ambivalent heute viele Frauen zum Thema Mutterschaft sind, zeigt dieses tolle und sehr spannende Buch auf: „Mütter ohne Liebe“ von Gaby Gschwend.

Aeussere wünschenswerte Veränderungen

Auch wenn die heutige Entwicklung in Bezug auf die Stellung der Frauen in der Gesellschaft natürlich positiv ist, gibt es noch viel zu tun. Einerseits auf der gesellschaftlichen Ebene, aber auch innerhalb der Familie. Frauen bekommen grundsätzlich zu wenig Unterstützung, um all ihre Aufgaben so erfüllen zu können, ohne ständig erschöpft zu sein. Noch immer gibt es z.B. zu wenig und zu wenig flexible Kinderbetreuung. Auch Teilzeitjobs sind vor allem bei anspruchsvolleren Berufen Mangelware. Das Thema Mutterschutz während Schwangerschaft und nach der Geburt ist gerade in der Schweiz noch viel zu wenig präsent, bzw. wird finanziell zu wenig unterstützt. Sowohl von Arbeitgebern, wie auch dem Staat. So ist es doch immer noch so, dass wenn Männer Väter werden, sich für sie nicht allzu viel verändert; zumindest auf der beruflichen Ebene. Bei Frauen ist das hingegen meist ganz anders.

Was kann Frau für sich selbst tun?

Ganz wichtig ist es in erster Linie sich selbst einzugestehen, dass man müde, erschöpft oder am Limit seiner Kräfte ist. Idealerweise sollte man nicht so lange zuwarten, bis die Erschöpftung so gross ist, dass kaum noch etwas geht. Das bedeutet man muss sich ernst nehmen und darauf hören, was unser Körper und unsere Seele uns sagen. Dabei sollte man kein schlechtes Gewissen haben, sich schämen, mit anderen vergleichen oder minderwertig fühlen. Im Gegenteil: Sich und seine Bedürfnisse nicht nur wahr- sondern auch ernst zu nehmen, ist ein Zeichen von Stärke und bedeutet auch, dass man nicht nur Verantwortung für sich selbst übernimmt, sondern auch für das nähere oder weitere Umfeld.

Um sich darüber klar zu werden, was man eigentlich braucht oder auch nicht braucht. Was zuviel oder wovon man zuwenig hat, kann es hilfreich sein, einfach mal seine Gedanken aufzuschreiben. Am besten auf zwei Blättern. Auf der einen Seite jenes, was fehlt und auf der anderen, was gerade zuviel ist. Auch ein Gespräch mit einer vertrauten Person, die möglichst wertfrei zuhört, könnte helfen. Ebenfalls eine oder mehrere Sitzungen mit einer Fachperson, um zu sortieren und mit einer gewissen Distanz auch beurteilen zu können. Daraufhin können dann auch Taten folgen und die Umsetzung des gewünschten oder nicht mehr benötigten in Angriff zu nehmen.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut, als Frau nicht nur Deine Grenzen zu setzen, sondern auch mit Freude wieder in Deine Mitte zu kommen.

Fühlst Du Dich von diesem Thema angesprochen und hast konkrete Fragen zu Deiner Situation? Melde Dich gerne bei mir.

Herzlichst

Roberta

 

 

 

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